Küstenforschung


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Unterwegs auf der „Heincke“

Beitrag von Dr. Klas Ove Möller, Abteilung In-situ Messsysteme

Die Kooperation und meine damit verbundene Teilnahme an der Forschungsreise des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICMB)  als Wissenschaftler vom Institut für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht ergab sich hauptsächlich aus der Zusammenarbeit beider Institute im Rahmen des EU-Projekts NeXOS (Next Generation Web-Enabled Sensors for the Monitoring of a Changing Ocean).

Innerhalb des Projektes wurden von Wissenschaftlern beider Institute neue Sensoren entwickelt, hauptsächlich zur Messung verschiedener Parameter der Phytoplankton Abundanz und Diversität, welche auf dieser Forschungsfahrt ihren ersten “Härtetest” erfahren. Außerdem kommt es innerhalb des Projektes auch zu einer Präsentation, zu der andere Projektpartner für einen Tag von der norwegischen Insel Runde aus an Bord kommen werden.

Der wissenschaftliche Schwerpunkt der Reise liegt darin, das Phytoplankton an der nur wenige Zentimeter bis Meter tiefen Meeresoberfläche sowie deren Einfluss auf die CO2 Flüsse zwischen Ozean und Atmosphäre zu erfassen. Der Fokus meiner Arbeit ist der Transport und Austausch von gebundenem Kohlenstoff als so genannter „marine snow“ in den hochproduktiven küstennahen Meeresgebieten sowie der Wechselwirkung mit dem offenen Ozean und ist daher eng an die Arbeit der Wissenschaftler vom ICMB gekoppelt.

Nach eher unruhigeren Bedingungen und Wellen im Atlantik bietet das spiegelglatte Wasser im Sognefjord beste Forschungsbedingungen zum Beproben der obersten Wasserschicht.

Foto: HZG / Klas Ove Möller

 

Foto: HZG / Klas Ove Möller

 

Neue Sensoren gekoppelt an das FerryBox System des HZG. Foto: HZG / Klas Ove Möller

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Warten, dass der Wind nachlässt

Beitrag von Hanna Joerss, Doktorandin in der Abteilung Umweltchemie

Probennahmekampagne zur Untersuchung von organischen Schadstoffen in der Nordsee

Vom 6. bis 12.6. konnten wir als Abteilung „Umweltchemie“ das Forschungsschiff „Ludwig Prandtl“ für eine Probennahmekampagne in der Deutschen Bucht nutzen. Dabei sollten Wasser- und Sedimentproben genommen werden, um sie auf organische Schadstoffe zu untersuchen.

Für die Mehrzahl von uns war es die erste Kampagne, sodass wir nach der aufwendigen Planung und Organisation im Vorfeld sehr gespannt darauf waren, was uns erwartet. Geplant waren insgesamt 39 Stationen – zunächst die Elbe entlang von Oortkaten nach Cuxhaven und dann in der Deutschen Bucht auf der Route Cuxhaven-Norderney-Helgoland-Büsum-Glückstadt. An Bord waren Heiko und Detlef als Besatzung und wir in der Regel zu dritt als Team unserer Abteilung.

Der erste Tag von Oortkaten nach Cuxhaven lief wie geplant und wir konnten die Abläufe bei der Probennahme einspielen. An den einzelnen Stationen nahm zunächst einer von uns eine Wasserprobe, indem ein Schöpfer mit einer eingespannten Flasche ins Wasser gelassen wurde. Gleichzeitig wurden über die FerryBox Temperatur, pH-Wert, Salinität, Leitfähigkeit und Trübung erfasst. Anschließend erfolgte die Sedimentprobennahme mit dem Kastengreifer. Dabei steuerte Detlef den Kran, der den Kastengreifer vom Schiff ins Wasser befördert, und zwei von uns stabilisierten den Greifer und entnahmen den Kasten mit der Sedimentprobe.

Zur Dokumentation der Probenahme testeten wir eine neue App, über die die Daten direkt in die interne Datenbank übertragen werden können.

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Von Cuxhaven aus ging es zunächst nicht weiter, da Wind und Wellen zu stark waren, um mit der „Ludwig Prandtl“ den Hafen zu verlassen. Das hieß umplanen, Unterkünfte an den nächsten Etappenzielen umbuchen und warten. Am dritten Morgen nach der Ankunft in Cuxhaven hatten sich Wetter und See zum Glück wieder so beruhigt, dass wir die Kampagne fortsetzen konnten. Die guten Wetterbedingungen hielten sich auch an den nächsten Tagen und wir konnten letztendlich doch fast alle geplanten Stationen anfahren.

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Die Proben wurden während der Kampagne im Laborcontainer gekühlt bzw. eingefroren und im Anschluss zum HZG transportiert, wo sie gerade im Labor analysiert werden. Im Fokus steht dabei die Untersuchung der Proben auf per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFASs).

Bei PFASs handelt es sich um eine Gruppe organischer Verbindungen, die gleichzeitig wasser-, fett- und schmutzabweisend sind. Zudem weisen sie eine hohe chemische und thermische Stabilität auf. Aufgrund dieser besonderen Eigenschaften werden die Substanzen vielfältig eingesetzt. Im Alltag begegnen sie uns zum Beispiel in Outdoor-Bekleidung, in der Anti-Haft-Beschichtung von Pfannen und in Lebensmittelverpackungen wie Coffee-To-Go-Bechern oder Popcorn-Tüten.

(Fotos: HZG/Hanna Joerss, HZG/Celia Bento)


Der Dokumentation

Foto: HZG / Ina Frings

auf unserem letzten Freitagsfoto ging eine aufwendige Probennahme im Watt voraus. Die wiederum nur ein kleiner Teil einer groß angelegten Messkampagne im Wattenmeer 2014 war. Watt ist nicht gleich Watt. Auch das wird notiert, um welche Art es sich handelt. In diesem Fall war es tiefer Schlick, der die Probennahme von Sediment und Wasser zu einer echten Herausforderung machte. Auf den Webseiten der Abteilung Marine Bioanalytische Chemie ist die umfangreiche Wattenmeerkampagne inklusive der Ergebnisse ausführlich dokumentiert.

Umso bewundernswerter, wenn eine saubere Dokumentation inmitten dieses Umfelds erfolgt! Die komplette Geschichte dieses Teilstücks der Messkampagne kann man als Probennahme im Watt nachlesen.


Ein Kommentar

HCU goes Ludwig Prandtl

Ein Beitrag von Hydrographie Studenten aus der HafenCity Universität Hamburg

Mitte November wurde die „Ludwig Prandtl“ von Hydrographie-Studierenden der HafenCity Universität Hamburg (HCU) geentert. In der Woche vom 14.-18.11. übernahmen die angehenden Hydrographen das Kommando für die anstehende Expedition. Während der Montag noch ganz im Zeichen der Vorbereitungen und Eingewöhnung stand, stach die „Ludwig Prandtl“ dann am Dienstag in See. Die Route führte von Oortkaten ausgehend, der Norderelbe folgend nach Wedel und von dort weiter nach Glückstadt. Am Donnerstag und Freitag erfolgte die Rückfahrt mit kleinen Abstechern durch den Hamburger Hafen.

Während der Messfahrt wurden durchgehend Daten mit dem Einstrahlecholot und dem Seitensichtsonar erhoben, um die Wassertiefe und Bodenstrukturen zu erfassen. An vorher geplanten Stationen kamen zusätzlich ADCP (Acoustic Doppler Current Profiler) und die CTD-Sonde (Conductivity-Temperature-Depth) zur Bestimmung von Strömungen und physikalischen Parametern der Wassersäule zum Einsatz.

Eine besondere Herausforderung für die Studenten bestand darin, die komplette Fahrt eigenständig zu planen. Dabei mussten nicht nur Tide und Hindernisse wie Brücken beachtet werden, sondern auch sinnvolle Stationen für Messungen festgelegt werden. Dies geschah stets in enger Abstimmung mit der Besatzung der „Ludwig Prandtl“.

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Die Auswertung und die Analyse der gesammelten Daten erfolgt nun in den kommenden Wochen, doch schon bei der Datenaufzeichnung konnten interessante Bodenstrukturen wie zum Beispiel Baggerspuren in den Daten erkannt werden. Nach einer sehr erfolgreichen und lehrreichen Woche wurde die „Ludwig Prandtl“ wieder dem Helmholtz- Zentrum Geesthacht übergeben.

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An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich für die unkomplizierte Zusammenarbeit und die Zurverfügungstellung der „Ludwig Prandtl“ bedanken!

(Text und Fotos: Studenten der HCU Hamburg)


Sammlung von Benthos- und Sedimentproben und Erfassung von Seevögeln vor der Küste Dithmarschens

Beitrag von Kai Borkenhagen, Anna-Luiza Chagas, Johanna Kottsieper, Yesnie Niegisch, Philipp Schwemmer, Maria Stage, Stefan Weiel vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) der Universität Kiel

Eine Ausfahrt mit dem Forschungsschiff „Ludwig Prandtl“ (20.10.-26.10.2016)

Im Oktober 2016 haben wir, ein Team aus insgesamt 7 Wissenschaftlern vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) der Universität Kiel, mit dem Forschungsschiff „Ludwig Prandtl“ eine siebentägige Schiffsausfahrt durchgeführt. Ziel der Ausfahrt war die Sammlung von Benthos- und Sedimentproben mittels eines Kastengreifers in einem ausgewählten Gebiet vor der Küste Dithmarschens.

Die Benthosproben werden genutzt, um einen Einblick in die Fauna auf und im Meeresgrund zu bekommen und die potenziellen Nahrungsgründe von bestimmten Vogelarten zu untersuchen. Dazu sammelt man aus den Proben alle lebenden Muscheln und Würmer heraus, um diese später im Labor bestimmen und untersuchen zu können.

Zusätzlich zu den Benthosproben haben wir auch Sedimentproben gesammelt. Diese können genutzt werden, um ein Bild von der Bodenbeschaffenheit und den damit zusammenhängenden Eigenschaften zu bekommen.

Neben dem Probensammeln haben wir auch Vogelzählungen nach der international standardisierten Seabirds at Sea (SAS) Methodik durchgeführt. Während der gesamten Ausfahrt lag unser Fokus dabei vor allem auf der Verbreitung der überwinternden Trauerenten. Diese kommen bei uns nicht als Brutvögel vor, nutzen aber die Gewässer der Deutschen Bucht in großen Zahlen während der Mauser und während des Winters.

Übersicht über die geplanten Stationen, an denen mittels Kastengreifer Benthos- und Sedimentproben gesammelt werden sollten. Die Punkte befinden sich jeweils in einem Abstand von 5 Kilometern zueinander. (Grafik: FTZ)

Übersicht über die geplanten Stationen, an denen mittels Kastengreifer Benthos- und Sedimentproben gesammelt werden sollten. Die Punkte befinden sich jeweils in einem Abstand von 5 Kilometern zueinander. (Grafik: FTZ)

Das Wetter war uns leider nicht immer gewogen, so dass wir an einem Tag unsere Tour wegen zu hoher Wellen und zu starkem Wind frühzeitig beenden mussten. Insgesamt konnten wir am Ende der Ausfahrt aber eine sehr gute Abdeckung der Probenstationen erreichen. Auffällig war vor allem die starke Häufung der Amerikanischen Schwertmuschel (Ensis directus) in weiten Teilen des Untersuchungsgebietes. In einer Probe fanden wir einen besonders großen Seeringelwurm (Nereis spp.) mit einer Länge von über 30 cm. Diese Art ist in der Nordsee recht häufig, man findet sie aber nur selten in dieser Größe.

Ein besonders langes Exemplar eines Seeringelwurmes (Nereis spp.) hängt im Kastengreifer. (Foto: FTZ)

Ein besonders langes Exemplar eines Seeringelwurmes (Nereis spp.) hängt im Kastengreifer. (Foto: FTZ)

Da wir die SAS-Zählungen während der Zugzeit durchgeführt haben, war es nicht verwunderlich, dass wir viele Gänse (vor allem Nonnen- und Ringelgänse) und etliche Singvögel beobachten konnten. Ein kleines Highlight waren dabei ein ziehender Waldkauz und ein Wellenläufer.

Darüber hinaus konnten wir vor allem verschiedene Möwenarten beobachten, darunter Lachmöwen, Silbermöwen, Sturmmöwen, Herings- und Mantelmöwen.

An Säugetieren konnten wir an vielen Tagen mehrere Seehunde und einige Schweinswale beobachten.

Diese Karte zeigt die während der SAS-Zählung erfassten Strecken unserer Ausfahrt. (Grafik: FTZ)

Diese Karte zeigt die während der SAS-Zählung erfassten Strecken unserer Ausfahrt. (Grafik: FTZ)

Ohne die Unterstützung und Mitarbeit der Schiffsbesatzung wäre die Ausfahrt nicht möglich gewesen. Deswegen gilt ein großer Dank an dieser Stelle Helmut und Detlef.


Tagebuch Messkampagne Sylt – Tag 5 + 6: Weiter nach Neuharlingersiel

Beitrag von Dr. Götz Flöser, Abteilung Neue Technologien

09.10.2016

An Bord: Andreas, Sabine, Götz

Ablegen 8:30 h. Fahren nach Neuharlingersiel

Auf der Überfahrt nehmen wir uns nun die Zeit, das Geheimnis um die häufige Abkürzung LISST zu lösen. Es ist die englische Abkürzung „Laser In-Situ Scattering and Transmissometry“, also Laserbeugung und Transmissionsmessung in situ . Das bedeutet, dass in einem Messvolumen von ca. 2 x 2 x 5 cm die Transmission (die auf die Menge der Teilchen hindeutet) und das Größenspektrum der Teilchen mit Hilfe von Laserbeugung gemessen wird. Die Funktionsweise wird im Wiki-Artikel „Laserbeugungs-Partikelgrößenanalyse“ gut beschrieben.

15:30 h Anlegen in Neuharlingersiel. Keine besonderen Vorkommnisse, außer dass es kleine Probleme bei der Ansteuertonne gab. Die lag nicht an der richtigen Stelle. In Ostfriesland verändern sich die Fahrrinnen ständig, deshalb müssen die Tonnen dauernd neu gelegt werden.

16:00 h Thomas ist mit dem Bus eingetroffen. Alles ok.

 

10.10.2016

An Bord: Thomas, Sabine, Andreas und ich.

7:30 h Auslaufen. Hochwasser war ca. 6:00 h, jetzt läuft es stark ab. Thomas baut das LISST 1336 aus. ADCP wird kalibriert durch das Fahren von Kreisen und geradeaus.

8:22 h Schiff fährt zurück zum Ausgang des Neuharlingersiel Kanals.

8:50 h Position erreicht, LISST und CTD ausgesetzt. LISST 1484 ist senkrecht eingebaut, so wie gestern.

8:55 h Probe 22, Hach-Lange Trübungsprobe

Nachdem vorhin eindrucksvolle Wolkenberge am Horizont waren, strahlt jetzt plötzlich die Sonne direkt zur Tür herein und wärmt mich. Wir haben praktisch keinen Wind, die See ist ganz glatt und Helmut kann gut manövrieren. Das Schiff steht im Wasser, keine Relativgeschwindigkeit.

10:00 h Probe 23, Hach-Lange Probe

10:45 h Experimente im Labor zeigen, dass der Laserstrahl irgendwie blockiert ist. Die Attenuation (Dämpfung, Verminderung, Verzögerung) ist viel zu hoch.

Bei Probe 23 zeigen sich fleckige Strukturen, die auf dem Foto erkennbar sind.

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11:00 h Probe 24, Hach-Lange Probe

11:15 h Das Schiff fährt mit 3 kn Richtung Neuharlingersiel, um den Einfluss von Geschwindigkeit auf das LISST-Signal zu testen.

11:33 h Höhe Pegel Spiekeroog, das Schiff bleibt stehen; Stauwasser.

12:00 h Probe 25, Hach-Lange Probe

Auf dem Wasser schwimmt jede Menge organisches Material.

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12:45 h Die „Navicula“ des ICBM (Uni Oldenburg) legt bei uns an und wir plaudern ein wenig. Sie fahren zum Pfahl und setzen die Grundrenovierung fort.

 

13:00 h Probe 26, Hach-Lange Probe

13:15 h Die Firma, die das LISST hier vertreibt, sagt, dass die Fenster mit Spülmittel gereinigt werden sollen. Anschließend machen wir noch mal ein Hintergrundspektrum und messen eine Probe mit Meerwasser.

14:00 h Probe 27, Hach-Lange Probe

14:30 h Thomas hat herausgefunden, dass in dem Endstück des LISST 1336 Salz (?)körner liegen, die sich bei vertikalem Aufbau auf die Glasscheibe legen, bei horizontalem Aufbau jedoch unten ansammeln, so dass sie die Messung kaum stören. Damit wäre die hohe Absorption erklärt (der Laser wird hauptsächlich durch die Körner absorbiert), die große Teilchengröße im Spektrum und der Riesenunterschied in den Messungen am 8.10. vormittags und nachmittags. Fotos belegen das. Thomas ist der Held!

Der LISST-Rahmen wurde hochgeholt, das LISST 1336 waagerecht eingebaut und das Ganze wieder ins Wasser gelassen.

15:00 h Probe 28, Hach-Lange Probe

Wir fahren langsam auswärts gegen den auflaufenden Strom. Düsteres Wetter zieht im Norden auf … Morgen soll es 1.5 m hohe Wellen geben. Im Wattenmeer sollten wir aber arbeiten können.

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15:25 h Das Schiff treibt zurück.

16:00 h Probe 29, Hach-Lange Probe

Wir fahren mit langsamem Tempo wieder Richtung Norden.

16:30 h Das Schiff bleibt stehen und treibt nach Neuharlingersiel zurück.

17:00 h Probe 30, Hach-Lange Probe

Geräte einholen und nach Neuharlingersiel fahren. Strahlender Sonnenschein.

17:30 h Anlegen in Neuharlingersiel. Einige Segler müssen dazu verholen.

(Fotos: HZG / Götz Flöser)


Tagebuch Messkampagne Sylt – Tag 4: Es wird besser

Beitrag von Dr. Götz Flöser, Abteilung Neue Technologien

08.10.2016

6:00 h An Bord: Andreas, Thomas, Sabine und ich

Es ist noch dunkel, das Schiff legt ab.

6:37 h Bei der Überprüfung der Daten von gestern stelle ich fest, dass das LISST 1336 überhaupt keine Spektren aufgenommen hat. Die Laserleistung war immer Null. Thomas versucht rauszufinden, woran das lag.

7:03 h Multisonde im Wasser. Thomas wechselt die Batterie des LISST 1338 aus, vielleicht liegt es daran.

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7:26 h Probe 14, Korngrößenprobe, Hach-Lange Trübungsprobe

Steckdose im Container war angeschmort und die Ursache des schlechten Geruchs.

Thomas hat die Batterie gewechselt und nimmt jetzt im Container ein Probespektrum auf. Das sieht nach schneller Auswertung vernünftig aus (mit Teilchengrößen von 24 µm statt 200), also setzen wir den Rahmen jetzt wieder (7:50 h) ins Wasser. Die Kamera ist so installiert, dass sie hoffentlich beide Messkammern der LISST-Geräte im Blick hat.

Spektakulärer Sonnenaufgang.

Windvorhersage ist 4 – 5 bft aus Nordost für morgen, also sollten wir eigentlich gut auf direktem Kurs nach Spiekeroog fahren können. Wir besprechen das heute beim Abendessen.

8:30 h Probe 15, Korngröße, Hach-Lange

8:40 h Das Schiff fährt mit 1.5 kn nordostwärts bis 9:00 h, lässt sich dann wieder treiben.

9:30 h Probe 16, Korngröße, Hach-Lange

10:30 h Probe 17, Korngröße, Hach-Lange. Wir sind in der letzten Stunde bis fast ins Seegatt getrieben worden. Fahren nach der Probennahme zurück.

11:30 h Schiff stoppt. Probe 18, Korngröße, Hach-Lange. Danach fährt das Schiff weiter, sonst treiben wir wieder ins Seegatt.

Die pH-Elektrode der Speichersonde scheint kaputt zu sein; sie sinkt während des Tages von 8.6 auf 8.1. Wird heute Nachmittag getauscht.

11:46 h Multisonde zeigt wieder Spikes. Das Phänomen ist eindeutig geschwindigkeitsabhängig: Etwas langsamere Fahrt lässt die Spikes verschwinden.

11:55 h Sonde hochgeholt, Meersalat entfernt. Schiff fährt langsam weiter.

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12:10 h Schiff bleibt stehen. Multisondenwerte wieder okay.

12:30 h Probe 19, Korngröße, Hach-Lange Trübungsmessung.

Wir bauen die LISST-Geräte um 13:00 h um und messen noch bis 15:00 h.

13:00 h Beide Geräte aus dem Wasser. Strahlender Sonnenschein, aber kalt.

Strömung nimmt ab, bald ist hier Niedrigwasser.

13:37 h LISST getauscht. Probe 20. Korngröße, Hach-Lange Trübungsmessung.

13:40 h Strömung kippt jetzt. Niedrigwasser.

Daten der LISST-Geräte werden gewandelt. Das dauert aber eine Stunde oder so, so dass wir es hätten auch später machen können.

14:30 h Probe 21. Korngröße, Hach-Lange Trübungsmessung.

14:37 h ADCP setzt kurzzeitig aus, weil Schiffssystem kurz ausfällt.

15:00 h Geräte aus dem Wasser geholt, wir fahren nach Hörnum.

15:30 h Einlaufen in Hörnum. Die Mannschaft macht schon alles für die Überfahrt bereit.


Ein Kommentar

Tagebuch Messkampagne Sylt – Tag 3: Der Wurm ist drin

Beitrag von Dr. Götz Flöser, Abteilung Neue Technologien

07.10.2016

8:00 h ist das Team vollzählig an Bord: Sabine, Andreas, Thomas und ich. Das ADCP funktioniert nicht richtig. LISST-Ergebnisse erneut prozessieren; da war gestern was schief gegangen. Das Prozessieren dauert allerdings eine Stunde. Heizung muss erneut repariert werden; wir warten auf den Heizungstechniker. Der konnte gestern Abend nicht mehr kommen, weil er in der Sauna war …

Es ist schönes Wetter.

Das ADCP kann den „bottom track“ nicht mehr. Im Notfall können wir trotzdem die Strömungsgeschwindigkeit (über GPS) messen, aber wir kriegen die Geschwindigkeit relativ zum Wasser nicht mehr auf der Brücke angezeigt, also weiß der Käpt’n auch nicht, wann er null Strömung erreicht hat.

10:25 h Das ist wirklich eine Pannen-Fahrt: Die Heizung funktioniert immer noch nicht richtig und muss in Oortkaten repariert werden. Das ADCP hat den Bottom track noch nicht; Thomas wartet auf eine Konfigurationsdatei von RDI in Frankreich, dann startet er das ADCP neu und hofft, dass es funktioniert. Wir fahren jetzt erst mal los.

Die Daten vom liegenden LISST ergeben wenig Sinn; das 1338 (stehend) liefert Daten, die völlig unabhängig sind von der Fahrtgeschwindigkeit, das 1484 (liegend wie früher) ist nicht richtig interpretierbar. Die Daten scheinen von der Fahrt und der Wassertiefe und allem möglichen Anderen abzuhängen.

11:20 h Beide Geräte (CTD326 und LISST-Gestell) im Wasser. Tiefe hier 18 m. Das ADCP funktioniert wieder und findet den bottom track, dank einer Datei, die von RDI aus Frankreich geschickt worden ist. Thomas hat es alles wieder hinbekommen und ist der Held!

11:30 h  Probe 7. Schiff treibt, Geschwindigkeit ca. 0.7 kn bzw. 2.4 kn ablaufendes Wasser. Sabine macht Hach-Lange-Probe zur Trübungsmessung. Wind hat nachgelassen und ist jetzt bei 8 m/s.

Sabine hat künstlerisch verwertbare Aufnahmen auf dem Schiff gemacht (Nahaufnahmen von Seilrollen etc.). Bin gespannt, wie die aussehen.

12:30 h Probe 8, Trübungsprobe mit 10 FNU Kalibrierung.

Das Umwandeln der LISST-HOLO Bilder dauert an die 6 Stunden….

Das Schiff liegt während der letzten Stunde sehr ruhig, Helmut musste kaum nachsteuern. Wir bleiben während des Tages in diesem Treib-Modus. Morgen nehmen wir parallel zu den Schwebstoff-Proben auch Korngrößenproben.

13:30 h Probe 9, Hach-Lange Trübungsprobe

14:00 h Wir nehmen die Multisonde hoch zum Saubermachen; war voll von fädigen Algen. Andreas weiß für alles die richtige biologische Bezeichnung.

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14:10 h ADCP-Daten von gestern sind schlecht, gehen nur bis 6 m Tiefe und haben zeitliche Aussetzer.

14:16 h Das ADCP zeigt lauter submarine Berge (weil wir auf Land zutreiben), über denen die Strömungsgeschwindigkeit viel höher ist als im „Tal“, s. Screenshot.

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14:24 h Wir sind mit immer noch ablaufendem Wasser bis an die Südspitze von Sylt getrieben und treiben jetzt wieder zurück.

14:30 h Probe 10, Hach-Lange Trübungsprobe. Die Messungen scheinen Sabine mittlerweile Spaß zu machen.

14:48 h Thomas meint, dass die Ursache für das verrückte Verhalten des 1484er LISST Algen sein könnte, die durch die Messkammer flattern. Möglich wär’s, weil bei einer Periode, wo die Teilchengröße beim 1484 stark schwankt, sowohl die Strömungsgeschwindigkeit konstant (fast 0) war als auch die Wassertiefe. Möglicherweise können wir das morgen mit der Unterwasserkamera von den Kollegen der Abteilung „Radarhydrographie“ klären.

15:30 h Probe 11, Hach-Lange Trübungsprobe

Das Seerecht erlaubt Geburten und Todesfälle an Bord, aber keine Heiraten mehr. Schade … für meine Tochter Helena wäre das in Frage gekommen.

16:00 h Um das LISST-Problem zu lösen, können wir die Positionen der beiden LISST-100X austauschen. Wenn das 1484 tatsächlich kaputt ist, verlieren wir dadurch aber schöne Daten, die das 1338 auf der „falschen“ Position aufnehmen würde. Also fahren wir die Sonden morgen ab früh 6:00 weiter wie bisher und tauschen nach Stauwasser (12:39 MESZ Hörnum + 1 h) die beiden LISST aus und testen bei unterschiedlichen Fahr-Geschwindigkeiten.

16:30 h Probe 12, Hach-Lange Trübungsprobe

17:30 h Probe 13, Hach-Lange Trübungsprobe

Danach Sonden einholen und nach Hause fahren. Wir wollen heute zu Steffi und morgen abend in das bretonische Restaurant Breizh (19:00 h).

18:30 Anlegen in Hörnum


Tagebuch Messkampagne Sylt – Tag 2: Der Tag der Pannen

Beitrag von Dr. Götz Flöser, Abteilung Neue Technologien

6.10.2016

An Bord: Andreas, Sabine, Thomas, Götz

Um 8:00 h kommen alle am Schiff an. Die Heizung des Schiffs ist kaputt. Ein Techniker kommt mal kurz von Westerland hierher (mit Blaulicht), also verzögert sich unsere Ausfahrt.

Um 9:20 h ist der Heizungsmonteur endlich da. Von wegen, er fährt mit Blaulicht hierher! Er hat von Westerland bis nach Hörnum über eine Stunde gebraucht! Aber jetzt haben wir die Hoffnung, dass das warme Wasser und die Heizung bald wieder funktionieren. Schließlich ist es schon empfindlich kalt geworden, sogar in der Pantry.

Michael (Abteilung Radarhydrographie) hat bei uns übernachtet und gefrühstückt. Er will heute noch mal versuchen, die vor der Westküste abgerissene Druckdose aus der vorausgegangenen Messkampagne zu bergen. Sie hat Daten über den Seegang vor Sylt gespeichert, aber wegen des Sturms letzte Woche ist sie von einigen Lagen Sand bedeckt. Er schätzt, dass sie ca. einen halben Meter eingesunken ist.

Das 600-kHz-ADCP ist ausgefallen. Thomas baut jetzt das 1200 kHz-ADCP ein. Das dauert noch mal eine Stunde oder so. Gut, dass ich den Tag heute sowieso als Test betrachtet habe. So stehen wir nicht unter Druck.

Der Wind ist immer noch recht stark. Die Anzeigetafel am Strand zeigt Windstärke 6 aus Nordost an. Hoffentlich verstärkt der Wind sich nicht noch. Dass wir wegen zu starkem Wind jetzt doch nicht rausfahren können, fehlt uns gerade noch.

Um 10:20 h ist die Heizung endlich repariert. Jetzt ist das ADCP ausgetauscht und muss nur noch zusammengeschraubt werden. Aber wir müssen noch ADCP-Tests fahren, damit die Richtung des ADCP etc. korrigiert werden kann.

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Der Tag der Pannen und Reparaturen (Foto: HZG / Götz Flöser)

Um 10:55 h laufen wir trotz aller Rückschläge endlich aus. Das Wetter ist fantastisch, strahlender Sonnenschein. Bei so tollem Wetter brauchen wir die Heizung gar nicht. :o)

Um 11:20 h machen wir dann endlich mitten in der Hörnumbucht die Testfahrten für das ADCP. Im Südosten wird der Himmel sehr dunkel. Hoffentlich regnet es nicht.

Um 12:20 h sind wir dann fertig mit der Testfahrt und wir lassen die Sonde ins Wasser. Der Leitfähigkeitssensor zeigt unsinnige Werte. Thomas hat den Schleifring im Verdacht.

Ziemlich viel geht schief: die Heizung, das ADCP und jetzt die Multisonde. Im Notfall ist ja im LISST-Gehäuse auch die Speichersonde CTM, die Leitfähigkeit und Temperatur misst.

Um 13:11 h funktioniert die Leitfähigkeitsmessung wieder. Raimo hatte den Tipp, dass die Kalibrierkonstanten falsch eingegeben waren.

Und so nehmen wir nun um 13:11 h die erste Wasserprobe. Der Trübheitsgrad liegt bei 3, also sehr niedrig. Unsere Fahrgeschwindigkeit liegt bei 0 kn relativ zum Wasser.

Um 13:28 h nehmen wir eine Probe bei ca. 1 kn. Es ist schwer für die Maschinen, das Schiff vollständig ruhig (bei 0 kn relativ zum Wasser) zu halten, dazu muss man dauernd ein- und auskuppeln.

Um 13:44 h nehmen wir Probe Nr. 3 bei ca. 3 kn.

Und um 14:31 h nehmen wir Probe Nr. 4 bei stehendem Schiff. Wenn der Wind nicht zu stark ist, kann das Schiff treiben. Man muss nur aufpassen, dass man nicht auf Untiefen treibt. Das könnte gefährlich werden.

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Mit vereinten Kräften Schiff und Messgeräte wieder startklar machen. (Foto: HZG)

Um 15:15 h zeigt die Multisonde bei 3 kn einen Aussetzer wie vorher.

Eine Viertelstunde später nehmen wir dann Probe Nr. 5 bei stehendem Schiff.

Um 15:40 h bilden sich bei einem Tempo von >4 kn jede Menge Spikes, ähnlich wie früher. Das Phänomen ist eindeutig geschwindigkeitsabhängig. Ein Rat aus Geesthacht: Kabel wechseln.

Um 16:10 h haben wir dann auch das Kabel und den Schleifring der Multisonde gewechselt. Jetzt funktioniert nicht nur die Multisonde und macht keine Probleme mehr, sondern das Echolot funktioniert jetzt plötzlich auch. Thomas ist der Held!

Um 16:30 h nehmen wir dann noch Probe Nr. 6 bei stehendem Schiff. Nun heben wir die Sonden an Bord und lesen die Daten aus. Das Wetter hat sich gehalten. Es ist zwar kalt, aber der Wind hat abgenommen und es hat nicht geregnet. Wir fahren in den Hafen zurück. Ich will mir die Daten angucken und sehen, ob die Messung heute Sinn ergeben hat.


Tagebuch zur Messkampagne vor Sylt vom 5. bis 10. Oktober 2016 – Tag 1

Beitrag von Dr. Götz Flöser, Abteilung Neue Technologien und Schülerpraktikant Jarno

Am 5.10. reisen wir ab. Thomas, Sabine und Andreas fahren mit dem VW-Bus um 7:45 h am Helmholz-Zentrum Geesthacht los, während  Jarno und Götz um 9.40 h den Zug von Altona nach Westerland nehmen. Drei Stunden sind ja schon ziemlich lange, aber der Nordostsee-Express hält auch an jeder Haltestelle.

Um 12.30 kommen alle in Hörnum an. Während die anderen aufbauen, fahren Götz und Sabine einkaufen und bringen allen ein Fischbrötchen mit. Der Wind pustet mit 12 m/s aus Nordosten. Die Mannschaft ist gut gelaunt und Detlef hat sogar einen Streuselkuchen gebacken.

Um 15:30 h holen Götz und Sabine noch die Zimmerschlüssel und beziehen die Zimmer.  Zur gleichen Zeit erzählt der kurz vorher zu uns gestoßene Michael (aus der Abteilung Radarhydrographie), dass er bis morgen bleibt und noch mal versucht, die Druckdose bei Bunker Hill zu bergen. Thomas hat inzwischen die Multisonde zusammengebaut und das LISST-Gestell wird vom Achterdeck aus ins Wasser gelassen.

Später um 16:30 h fährt die Mannschaft mit Jarno nach Westerland, wo sie um 17:00 ankommen, Jarno am Bahnhof absetzen und daraufhin einkaufen gehen.