Küstenforschung

Küste in Niederösterreich

Beitrag von Prof. Dr. Hans von Storch

Wir wussten es ja schon immer, dass Küste überall ist. Aber dass Küste nun auch in Niederösterreich stattfindet, jedenfalls in einer ferneren Vergangenheit, mit Tsunamis und allen Schikanen, das war dann doch etwas überraschend. Aber die letzten Zweifel sind verflogen, wenn man im Eingangsbereich der Ausstellung Gewaltig! Extreme Naturereignisse (12. März 2017 bis 11. Februar 2018 im Museum Niederösterreich – Haus der Natur, St. Pölten) einen ehemaligen Institutsleiter des Instituts für Küstenforschung in einem Bildschirm sitzen und erklären sieht.

Hans von Storch erklärt sich was. Foto: Christa Hammerl

Aber Spaß beiseite:  Mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), also dem österreichischen Wetterdienst, gibt es schon seit vielen Jahren eine  fruchtbare Zusammenarbeit, und so lag es nahe, die Geesthachter Kompetenz hinzuzuziehen, als man in  St. Pölten erzählen wollte von den Naturereignissen wie Erdbeben, Sturm, Hagel oder Hochwasser, denn solche Ereignisse werden heutzutage ja gerne zusammen mit dem menschgedachten Klimawandel gedacht. Und da ist es nützlich, wenn jemand vom Fach die Dinge richtig einordnet – so thematisiert die Ausstellung sehr schön die Bandbreite der Naturkatastrophen und deren Manifestation in der Region, wobei man dann auch  beim erdgeschichtlichen Tsunami in Niederösterreich vorbeikommt.

Werden Menschen mit Naturereignissen konfrontiert, reagieren sie meist überaus emotional. Kommen Themen wie Klimaveränderung und Erderwärmung hinzu, herrscht oft die Ansicht, derartige Ereignisse seien in den letzten Jahrzehnten häufiger aufgetreten und hätten größere Schäden angerichtet als früher. Denkt man an mehrfaches Donauhochwasser in den letzten 15 Jahren, den Hurrikan Katrina 2005, den Orkan Kyrill 2007, den Tsunami im Indischen Ozean 2004 und zahlreiche verheerende Erdbeben, wird dieser Eindruck verständlich. Naturgewalten wie diese prägen sich – zumindest für eine Generation – ins Gedächtnis der Menschen ein, oft wird dabei aber vergessen, dass sie auch in der Vergangenheit von Bedeutung waren und wohl auch in Zukunft sein werden.

Kuratorin Christa Hammerl und externer Berater Hans von Storch. Foto:  Florian Müller, Museum Niederösterreich

Die Ausstellung will deshalb erklären, wie es überhaupt zu solchen Ereignissen kommt. Wie entsteht ein Erdbeben? Was sind die Ursachen für Bergstürze? Warum kommt es zu einem Hochwasser? Was sind Eisstöße? Darüber hinaus wird ein Bogen von historischen Naturkatastrophen zur Gegenwart gespannt und globale Extremereignisse werden jenen in Niederösterreich gegenübergestellt.

In der Ausstellung kommen auch tierische Plagen wie Heuschrecken, Reblaus und Wegschnecke nicht zu kurz, denn – treten diese Tiere in Massen auf, werden auch sie zu durch das Nadelöhr „Gesellschaft“ zur „Katastrophe“, die von der Natur ausgeht.

Nicht zuletzt wird der Grundlagenforschung Raum gewidmet. Mit noch nie gezeigten historischen Messinstrumenten und zahlreichen historischen Dokumenten beleuchtet die Ausstellung drei Pioniere der geophysikalischen Wissenschaften: Carl Friedrich Gauß, Karl Kreil und Victor Conrad. Letzterer Meteorologe und Geophysiker, legte mit seinem Vermögen den Grundstein für aktuelle Spitzenforschung im Conrad Observatorium am Trafelberg in Niederösterreich.

Christa Hammerl und Hans von Storch

In Kooperation mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).
Kuratoren: Christa Hammerl (ZAMG), sowie Peter Melichar (ZAMG) und Erich Steiner (Wiss. Leiter Haus der Natur).

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