Küstenforschung

Tagebuch Messkampagne Sylt – Tag 3: Der Wurm ist drin

Ein Kommentar

Beitrag von Dr. Götz Flöser, Abteilung Neue Technologien

07.10.2016

8:00 h ist das Team vollzählig an Bord: Sabine, Andreas, Thomas und ich. Das ADCP funktioniert nicht richtig. LISST-Ergebnisse erneut prozessieren; da war gestern was schief gegangen. Das Prozessieren dauert allerdings eine Stunde. Heizung muss erneut repariert werden; wir warten auf den Heizungstechniker. Der konnte gestern Abend nicht mehr kommen, weil er in der Sauna war …

Es ist schönes Wetter.

Das ADCP kann den „bottom track“ nicht mehr. Im Notfall können wir trotzdem die Strömungsgeschwindigkeit (über GPS) messen, aber wir kriegen die Geschwindigkeit relativ zum Wasser nicht mehr auf der Brücke angezeigt, also weiß der Käpt’n auch nicht, wann er null Strömung erreicht hat.

10:25 h Das ist wirklich eine Pannen-Fahrt: Die Heizung funktioniert immer noch nicht richtig und muss in Oortkaten repariert werden. Das ADCP hat den Bottom track noch nicht; Thomas wartet auf eine Konfigurationsdatei von RDI in Frankreich, dann startet er das ADCP neu und hofft, dass es funktioniert. Wir fahren jetzt erst mal los.

Die Daten vom liegenden LISST ergeben wenig Sinn; das 1338 (stehend) liefert Daten, die völlig unabhängig sind von der Fahrtgeschwindigkeit, das 1484 (liegend wie früher) ist nicht richtig interpretierbar. Die Daten scheinen von der Fahrt und der Wassertiefe und allem möglichen Anderen abzuhängen.

11:20 h Beide Geräte (CTD326 und LISST-Gestell) im Wasser. Tiefe hier 18 m. Das ADCP funktioniert wieder und findet den bottom track, dank einer Datei, die von RDI aus Frankreich geschickt worden ist. Thomas hat es alles wieder hinbekommen und ist der Held!

11:30 h  Probe 7. Schiff treibt, Geschwindigkeit ca. 0.7 kn bzw. 2.4 kn ablaufendes Wasser. Sabine macht Hach-Lange-Probe zur Trübungsmessung. Wind hat nachgelassen und ist jetzt bei 8 m/s.

Sabine hat künstlerisch verwertbare Aufnahmen auf dem Schiff gemacht (Nahaufnahmen von Seilrollen etc.). Bin gespannt, wie die aussehen.

12:30 h Probe 8, Trübungsprobe mit 10 FNU Kalibrierung.

Das Umwandeln der LISST-HOLO Bilder dauert an die 6 Stunden….

Das Schiff liegt während der letzten Stunde sehr ruhig, Helmut musste kaum nachsteuern. Wir bleiben während des Tages in diesem Treib-Modus. Morgen nehmen wir parallel zu den Schwebstoff-Proben auch Korngrößenproben.

13:30 h Probe 9, Hach-Lange Trübungsprobe

14:00 h Wir nehmen die Multisonde hoch zum Saubermachen; war voll von fädigen Algen. Andreas weiß für alles die richtige biologische Bezeichnung.

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14:10 h ADCP-Daten von gestern sind schlecht, gehen nur bis 6 m Tiefe und haben zeitliche Aussetzer.

14:16 h Das ADCP zeigt lauter submarine Berge (weil wir auf Land zutreiben), über denen die Strömungsgeschwindigkeit viel höher ist als im „Tal“, s. Screenshot.

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14:24 h Wir sind mit immer noch ablaufendem Wasser bis an die Südspitze von Sylt getrieben und treiben jetzt wieder zurück.

14:30 h Probe 10, Hach-Lange Trübungsprobe. Die Messungen scheinen Sabine mittlerweile Spaß zu machen.

14:48 h Thomas meint, dass die Ursache für das verrückte Verhalten des 1484er LISST Algen sein könnte, die durch die Messkammer flattern. Möglich wär’s, weil bei einer Periode, wo die Teilchengröße beim 1484 stark schwankt, sowohl die Strömungsgeschwindigkeit konstant (fast 0) war als auch die Wassertiefe. Möglicherweise können wir das morgen mit der Unterwasserkamera von den Kollegen der Abteilung „Radarhydrographie“ klären.

15:30 h Probe 11, Hach-Lange Trübungsprobe

Das Seerecht erlaubt Geburten und Todesfälle an Bord, aber keine Heiraten mehr. Schade … für meine Tochter Helena wäre das in Frage gekommen.

16:00 h Um das LISST-Problem zu lösen, können wir die Positionen der beiden LISST-100X austauschen. Wenn das 1484 tatsächlich kaputt ist, verlieren wir dadurch aber schöne Daten, die das 1338 auf der „falschen“ Position aufnehmen würde. Also fahren wir die Sonden morgen ab früh 6:00 weiter wie bisher und tauschen nach Stauwasser (12:39 MESZ Hörnum + 1 h) die beiden LISST aus und testen bei unterschiedlichen Fahr-Geschwindigkeiten.

16:30 h Probe 12, Hach-Lange Trübungsprobe

17:30 h Probe 13, Hach-Lange Trübungsprobe

Danach Sonden einholen und nach Hause fahren. Wir wollen heute zu Steffi und morgen abend in das bretonische Restaurant Breizh (19:00 h).

18:30 Anlegen in Hörnum

Ein Kommentar zu “Tagebuch Messkampagne Sylt – Tag 3: Der Wurm ist drin

  1. „Das Seerecht erlaubt Geburten und Todesfälle an Bord, aber keine Heiraten mehr. Schade … für meine Tochter Helena wäre das in Frage gekommen.“
    *kicher* Ich stelle mir das unglaublich romatisch vor. Keine Heizung, das Paar und die Trauzeugen in Ölzeug auf dem Vorschiff (achtern stehen ja die ganzen Sonden rum), der Käpt’n legt feierlich einen Hochmodul-Polyäthylentampen um die Hände der Brautleute, der Wachhabende auf der Brücke übertönt mit dem Typhon die salbungvollen Worte und Jan Rasmus gibt mit einem „Einsteiger“ über die Reeling seinen Segen. Unvergesslich! 😀

    Soweit der Beweis, dass die Artikel hier tatsächlich gelesen werden. 😉

    Wobei… – ein kleines Glossar wäre für uns Landratten, die gerade mal ein Badethermometer ablesen können, vielleicht ganz hilfreich. 😉

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