Küstenforschung

Tagebuch Messkampagne Sylt – Tag 2: Der Tag der Pannen

Beitrag von Dr. Götz Flöser, Abteilung Neue Technologien

6.10.2016

An Bord: Andreas, Sabine, Thomas, Götz

Um 8:00 h kommen alle am Schiff an. Die Heizung des Schiffs ist kaputt. Ein Techniker kommt mal kurz von Westerland hierher (mit Blaulicht), also verzögert sich unsere Ausfahrt.

Um 9:20 h ist der Heizungsmonteur endlich da. Von wegen, er fährt mit Blaulicht hierher! Er hat von Westerland bis nach Hörnum über eine Stunde gebraucht! Aber jetzt haben wir die Hoffnung, dass das warme Wasser und die Heizung bald wieder funktionieren. Schließlich ist es schon empfindlich kalt geworden, sogar in der Pantry.

Michael (Abteilung Radarhydrographie) hat bei uns übernachtet und gefrühstückt. Er will heute noch mal versuchen, die vor der Westküste abgerissene Druckdose aus der vorausgegangenen Messkampagne zu bergen. Sie hat Daten über den Seegang vor Sylt gespeichert, aber wegen des Sturms letzte Woche ist sie von einigen Lagen Sand bedeckt. Er schätzt, dass sie ca. einen halben Meter eingesunken ist.

Das 600-kHz-ADCP ist ausgefallen. Thomas baut jetzt das 1200 kHz-ADCP ein. Das dauert noch mal eine Stunde oder so. Gut, dass ich den Tag heute sowieso als Test betrachtet habe. So stehen wir nicht unter Druck.

Der Wind ist immer noch recht stark. Die Anzeigetafel am Strand zeigt Windstärke 6 aus Nordost an. Hoffentlich verstärkt der Wind sich nicht noch. Dass wir wegen zu starkem Wind jetzt doch nicht rausfahren können, fehlt uns gerade noch.

Um 10:20 h ist die Heizung endlich repariert. Jetzt ist das ADCP ausgetauscht und muss nur noch zusammengeschraubt werden. Aber wir müssen noch ADCP-Tests fahren, damit die Richtung des ADCP etc. korrigiert werden kann.

dscn1778k

Der Tag der Pannen und Reparaturen (Foto: HZG / Götz Flöser)

Um 10:55 h laufen wir trotz aller Rückschläge endlich aus. Das Wetter ist fantastisch, strahlender Sonnenschein. Bei so tollem Wetter brauchen wir die Heizung gar nicht. :o)

Um 11:20 h machen wir dann endlich mitten in der Hörnumbucht die Testfahrten für das ADCP. Im Südosten wird der Himmel sehr dunkel. Hoffentlich regnet es nicht.

Um 12:20 h sind wir dann fertig mit der Testfahrt und wir lassen die Sonde ins Wasser. Der Leitfähigkeitssensor zeigt unsinnige Werte. Thomas hat den Schleifring im Verdacht.

Ziemlich viel geht schief: die Heizung, das ADCP und jetzt die Multisonde. Im Notfall ist ja im LISST-Gehäuse auch die Speichersonde CTM, die Leitfähigkeit und Temperatur misst.

Um 13:11 h funktioniert die Leitfähigkeitsmessung wieder. Raimo hatte den Tipp, dass die Kalibrierkonstanten falsch eingegeben waren.

Und so nehmen wir nun um 13:11 h die erste Wasserprobe. Der Trübheitsgrad liegt bei 3, also sehr niedrig. Unsere Fahrgeschwindigkeit liegt bei 0 kn relativ zum Wasser.

Um 13:28 h nehmen wir eine Probe bei ca. 1 kn. Es ist schwer für die Maschinen, das Schiff vollständig ruhig (bei 0 kn relativ zum Wasser) zu halten, dazu muss man dauernd ein- und auskuppeln.

Um 13:44 h nehmen wir Probe Nr. 3 bei ca. 3 kn.

Und um 14:31 h nehmen wir Probe Nr. 4 bei stehendem Schiff. Wenn der Wind nicht zu stark ist, kann das Schiff treiben. Man muss nur aufpassen, dass man nicht auf Untiefen treibt. Das könnte gefährlich werden.

p1130235k

Mit vereinten Kräften Schiff und Messgeräte wieder startklar machen. (Foto: HZG)

Um 15:15 h zeigt die Multisonde bei 3 kn einen Aussetzer wie vorher.

Eine Viertelstunde später nehmen wir dann Probe Nr. 5 bei stehendem Schiff.

Um 15:40 h bilden sich bei einem Tempo von >4 kn jede Menge Spikes, ähnlich wie früher. Das Phänomen ist eindeutig geschwindigkeitsabhängig. Ein Rat aus Geesthacht: Kabel wechseln.

Um 16:10 h haben wir dann auch das Kabel und den Schleifring der Multisonde gewechselt. Jetzt funktioniert nicht nur die Multisonde und macht keine Probleme mehr, sondern das Echolot funktioniert jetzt plötzlich auch. Thomas ist der Held!

Um 16:30 h nehmen wir dann noch Probe Nr. 6 bei stehendem Schiff. Nun heben wir die Sonden an Bord und lesen die Daten aus. Das Wetter hat sich gehalten. Es ist zwar kalt, aber der Wind hat abgenommen und es hat nicht geregnet. Wir fahren in den Hafen zurück. Ich will mir die Daten angucken und sehen, ob die Messung heute Sinn ergeben hat.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.