Küstenforschung

Reiserouten der Flaschenposten

Im Juli hatten wir unsere Besucher an Bord der „Ludwig Prandtl“ dazu eingeladen, Flaschenbriefe zu verfassen. Bei unseren Überfahrten von Wismar nach Heiligenhafen sowie Heiligenhafen nach Rendsburg haben wir diese Flaschenposten ausgesetzt.

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Foto: HZG / Volker Matthias

Anhand der Wind- und Strömungsdaten (Quelle: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, BSH) haben unsere Wissenschaftler der Abteilung Modellierung zur Bewertung von Küstensystemen die Reiseroute für jeweils eine Flasche von den beiden Abwurfpunkten ermittelt. Die Bilder zeigen den Reiseweg über 2, 5 und 43 Tage – unter der Annahme, dass die Flasche zwar Land berühren kann, aber dort nicht unbedingt hängen bleibt. Das eigentliche Stranden ist sehr schwer vorherzusagen, es könnte irgendwo auf der gezeigten Reiseroute geschehen.

Für die Beispielflasche aus dem Abwurf der Wismarer Bucht kann dies bedeuten, dass sie irgendwo im Bereich der Küstenlinie Mecklenburg-Vorpommerns angespült wurde. Es gab Fundmeldungen, dass zwei Flaschen bereits nach 2 Tagen angelandet sind. Diese Flaschen waren also schneller unterwegs als unsere Beispielflasche in der Modellrechnung. Aber sie sind dort angelandet, wo die Modellrechnung das erste Mal eine Landberührung verzeichnet, nämlich ungefähr in Höhe des Ortes Kühlungsborn.

Die Beispielflasche aus dem Abwurf westlich der Insel Fehmarn streift im Modell die dänische Insel Lolland, bevor sie sich weiter in östlicher Richtung bewegt. Zu diesem Abwurf hatten wir bereits 3 Fundmeldungen, die sich deutlich von der Reiseroute unserer Beispielflasche in der Modellrechnung unterscheiden. Diese drei gefunden Flaschen wurden eher südlich verdriftet. Was könnten die Gründe für die Abweichungen sein? Zunächst einmal können kleinräumige Wasserverwirbelungen die Flaschen in andere Richtungen lenken. Hinzu kommt, dass die Strömungsgeschwindigkeiten im Rechenmodell ein Mittel über die obersten Meter der Wassersäule darstellen. Die Flaschen tauchen hingegen nur wenige Zentimeter ins Wasser ein, und in diesen obersten Zentimetern können die Richtungen der Strömung durchaus etwas anders aussehen. Denn in der Regel sind die Gegenstände (z.B. Container bei einer Havarie), für die unsere Wissenschaftler diese Modellrechnungen heranziehen, deutlich größer und schwerer als unsere Flaschenposten. Hinzu kamen bei diesem Abwurf noch der vorangegangene und zu dem Zeitpunkt abflauende Sturm, der die Ostsee ordentlich aufgewühlt hat.

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Screenshot Mediathek NDR

Die tatsächliche Reiseroute einer Flaschenpost ließe sich nur mittels eines GPS-Senders ermitteln, doch das nimmt einer Flaschenpost ja den Reiz des Ungewissen. Es bleibt also weiterhin spannend, wo die Flaschenposten unserer Gäste anlanden bzw. bereits angespült wurden, ohne bisher gefunden worden zu sein. Wir bleiben optimistisch gemäß den Worten von Oliver Lück: „Ostsee ist Postsee“. Was soviel bedeutet, dass Flaschenposten, die in die Ostsee ausgesetzt werden, auch irgendwo angespült werden. Mehr zu diesem Thema  kann man in der nordstory des NDR am 30.09.2016 erfahren.

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