Küstenforschung

Erfassung von Seevögeln in der Pommerschen Bucht und im Greifswalder Bodden

Beitrag von Dipl. Biol. Johanna Kottsieper, Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Eine Ausfahrt mit dem Forschungsschiff „Ludwig Prandtl“ (20.08. bis 26.08.2016)

Kai Borkenhagen, Margus Ellermaa, Katharina Fließbach, Franziska Güpner, Johanna Kottsieper – Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Die Karte zeigt die während der SAS-Zählung erfassten Strecken unserer Ausfahrt

Im August 2016 sind wir, ein Team aus fünf Wissenschaftlern vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) der Universität Kiel, mit dem Forschungsschiff „Ludwig Prandtl“ zu einer siebentägigen Schiffsausfahrt in der deutschen Ostsee aufgebrochen. Ziel dieser Ausfahrt war die Erfassung von Vögeln und Meeressäugern im Bereich der Pommerschen Bucht und im Greifswalder Bodden. Diese wurde nach der international standardisierten Seabirds at Sea Methode (SAS) durchgeführt.  Unser Fokus lag dabei vor allem auf der Erfassung der Mauservorkommen von Trauer- und Samtenten auf der Oderbank sowie der Verbreitung von Seeschwalben, Seetauchern und Lappentauchern.

Neben der Vogelzählung wurden Fluchtdistanzen gemessen. Dazu wird die Entfernung ermittelt, in der die Vögel vor dem herankommenden Schiff auffliegen oder abtauchen. Anhand dieser Werte lässt sich eine Einschätzung gewinnen, wie sensibel die Tiere auf Störungen durch den Schiffsverkehr reagieren.

Außerdem wurden von den Vögeln, hauptsächlich den Meeresenten, Fotos gemacht. Diese können genutzt werden, um herauszufinden, welches Geschlechterverhältnis in einem Trupp vorhanden ist und wie viele Jungvögel dabei sind. Anhand dieser Daten lassen sich Aussagen zur Populationsstruktur treffen und es können daraus Rückschlüsse auf Gefährdungsursachen abgeleitet werden.

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Messung von Fluchtdistanzen mit Hilfe eines Lineals. Dazu wird der Winkel zum Horizont bestimmt und daraus eine Entfernung berechnet.

Trauer– und Samtenten kommen in unseren Gewässern im Winter und zur Mauserzeit vor, ihre Brutgebiete liegen in Nordeuropa bis hin zu West-Sibirien. Im Untersuchungsgebiet konnten wir die größten Vorkommen auf der Oderbank beobachten, wobei es mehr Trauerenten als Samtenten gab. Viele der Tiere sind vor dem Schiff abgetaucht, was darauf hindeutete, dass sie sich gerade in der Mauser befanden. Zu dieser Zeit des Gefiederwechsels sind sie flugunfähig.

Seetaucher konnten wir nur wenige beobachten, hin und wieder gab es einzelne Prachttaucher, Sterntaucher konnten wir hingegen nicht beobachten. Die meisten Sterntaucher halten sich so früh im Jahr noch in den Brutgebieten auf. Dafür hatten wir als besonderes Highlight das Glück, einen Gelbschnabeltaucher sehen zu können. Diese sind nur sehr selten in der Ostsee anzutreffen.

Von den Lappentauchern konnten wir auf dem offenen Meer einzelne Rothalstaucher beobachten, sowie mindestens einen Ohrentaucher. In Küstennähe kamen mehrere Haubentaucher vor.

Im Greifswalder Bodden haben wir mehrere, teils große Gruppen von Trauerseeschwalben, sowie viele Zwergseeschwalben vorgefunden. Außerdem konnten wir einige Raubsee– und Brandseeschwalben beobachten. Vor allem in Küstennähe gab es viele Flussseeschwalben.

Mit dem Ende der Brutzeit beginnen viele Vogelarten den Rückzug in die Überwinterungsgebiete und überqueren dabei auch oft das offene Meer. So ist es nicht verwunderlich, dass wir viele Vögel auf dem Durchzug beobachten konnten. Darunter waren unter anderem viele Singvögel (vor allem Rauchschwalben) und mehrere hundert Höckerschwäne, die wir in Küstennähe rastend beobachten konnten.

An Säugetieren konnten wir eine Kegelrobbe und einen Schweinswal beobachten. Im Osten der Ostsee ist der Schweinswal vergleichsweise selten.

Ohne die Unterstützung und Mitarbeit der Schiffsbesatzung wäre die Ausfahrt nicht möglich gewesen. Deswegen gilt ein großer Dank an dieser Stelle Helmut und Michel.

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Fotos: FTZ Büsum

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