Küstenforschung

Proxy

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In der Klimaforschung – besonders in der Erforschung des Klimas der ferneren Vergangenheit, der Paläoklimatologie – ist oft der Begriff Proxy zu hören. Doch was bedeutet der sonst eher aus der IT bekannte Begriff in diesem Zusammenhang? Was sind Klima-Proxies?

Zunächst einmal steht der Begriff Proxy wörtlich genommen für „Stellvertreter“ (englisch: proxy representative) oder auch für „den Nächsten“ (lateinisch: proximus). Bleiben wir bei der Bedeutung Stellvertreter, denn diese kommt der Bedeutung für die Klimaforschung schon ziemlich nah.

In der heutigen Zeit sind wir es gewohnt, dass Wetterdaten fortlaufend und lückenlos erhoben und aufgezeichnet werden können. Dafür sorgen unzählige professionelle und hobbymäßig betriebene Messstationen. Hier werden Lufttemperatur, Luftdruck, Luftfeuchte und viele weitere Parameter erfasst, festgehalten und ausgewertet. Aus solchen über einen längeren Zeitraum erhobenen Daten – Wissenschaftler sprechen von mindestens 30 Jahren – lässt sich dann das Klima einer Region ableiten.

Klingt erst einmal einfach. Doch blickt man in die Vergangenheit, so wird schnell klar, dass das genaue Erfassen und Speichern von Wetterdaten eine eher junge Errungenschaft ist. Genau genommen liegen erdgeschichtlich betrachtet nur für einen sehr kleinen Bruchteil der Zeit solche genauen Aufzeichnungen des Wetters vor.  Und je weiter man zurück blickt, desto lückenhafter und ungenauer  werden die Angaben. Bis man schließlich an einem Punkt in der Erdgeschichte angelangt ist, für den es scheinbar gar keine Aufzeichnungen des Wetters mehr gibt. Genau an diesem Punkt setzen die Wissenschaftler mit den Klima-Proxies an.

Klima-Proxies sind indirekte Anzeiger des Klimas einer Region zu einer bestimmten Zeit in der Erdgeschichte. Das können zum Beispiel Pollen sein, die in alten Erdschichten gefunden werden. Sie geben einen Hinweis darauf, welche Pflanzen zur Zeit der Ablagerung der Erdschicht in der Region gewachsen sind. Aus den Wachstumsansprüchen der Pflanzen kann man dann wiederum auf das damals vorherrschende Klima schließen.

Baumringe, Eisbohrkerne, Korallen, Ozeansedimente u.v.a. geben als natürliche Archive ebenso Aufschluss über das Klima vergangener Zeiten. Auch die Aufzeichnungen von Seeleuten in alten Logbüchern oder von Bauern, die immer schon genaue Beobachter des Wetters waren, werden als Klima-Proxies herangezogen. So ergibt sich trotz fehlender instrumenteller Aufzeichnungen ein Bild des Klimas der Vergangenheit.

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