Küstenforschung

Besuch chinesischer wissenschaftlicher Einrichtungen

im Bereich der Klima- und Küstenforschung

Beitrag von Prof. Dr. Hans von Storch

Der Kontaktpflege mit chinesischen Partnern diente meine 10-tägige Reise nach China im Mai 2016, wobei der unmittelbare Anlass die Disputation der Doktorarbeit „Assessing Changes in extreme sea levels along the coast of China“ von Feng Jianlong war. Feng Jianlong von der Ocean University of China in Qingdao war für zwei Jahre bei uns im Institut für Küstenforschung, wo er sich mit dem Thema der Sturmflutmodellierung in der Bo Hai und im Gelben Meer (Huang Hai) beschäftigte. „Zuhause“ kam dann noch die Analyse der Veränderungen anhand von Pegeldaten dazu. Der chinesische Betreuer von Feng Jianlong war Jiang Wensheng, der seinerzeit von Jürgen Sündermann in Hamburg betreut wurde. Überhaupt: Jürgen Sündermann war mir ein wichtiger Türöffner in China, speziell in Qingdao.

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Kandidat, Betreuer und Prüfungskommittee

Nach dem nun schon regelmäßigen Besuch der Ocean University of China, mit der wir ein Kooperationsabkommen haben, und wo ich für zwei Monate in 2015 arbeitete, ging die Reise weiter nach Shanghai. Dort war ich eingeladen von der Shanghai University of Oceanology (SHOU), die aus der Fischereiforschung hervorgegangen jetzt auch eine nennenswerte Abteilung zur Hydrographie und Modellierung von Randmeeren betreibt. Im Zuge des Besuchs wurde ich vom Präsidenten der SHOU für vier Jahre zum Adjunct Professor ernannt, in der Erwartung, dass wir einen regelmäßigen Austausch arrangieren können. Man soll allerdings solche Titel nicht überbewerten; die Bedingungen für so eine Ernennung sind gering – aber es ist ein netter Gestus.

Nett war auch, dass mir einige interessante Küstenprojekte gezeigt wurden – das große Landgewinnungsprojekt südöstlich von Shanghai, wo jetzt die Shanghai Harbour City (mitsamt der SHOU) entstand, sowie der Tiefwasserhafen Yangshan. Dieser Hafen wird erreicht über eine 30 km lange Brücke weit draußen in der Mündung der Hangzhou-Bucht; auf der aufgeschütteten Insel findet sich ein Containerterminal, dessen Kailänge immerhin fast 6 km lang ist. Ganz offensichtlich pflegt man in China andere „Bilder der Küste“ als in Deutschland; culture matters.

Tiefwasserhafen Yangshan vor Shanghai – mit Containerterminal. Von Hamburg aus gesehen: gleich hinter dem Ozean.

Tiefwasserhafen Yangshan vor Shanghai – mit Containerterminal. Von Hamburg aus gesehen: gleich hinter dem Ozean.

Dem der SHOU schloss sich ein Besuch beim State Key Laboratory of Coastal and Estuarine Studies (SKLEC) an der East China Normal University (in Shanghai) an. Mit SKLEC haben wir schon eine lange Zusammenarbeit, etwa im Zuge von EU Projekten zur Elbe. Dort präsentierte ich unsere Einschätzung des Potentials von historischen Daten von Signalstationen, das wir gemeinsam mit dem Seewetteramt im Zuge von CLISAP untersuchen.

Die letzte Station der Reise war Guangzhou (Kanton) mit dem Akademie Institut für das Südchinesische Meer (SCSIO). Zunächst traf ich meine beiden früheren Doktoranden Xia Lan und Chen Fei, die zu einer erfolgreichen beruflichen Perspektive in China zurückgekehrt sind. Xia Lan ist an der Universität von Yunnan, und wir haben ein gemeinsames Projekt zur Vorhersage von Niederschlagsphasen in Südchina begonnen. Für mein anderes „Pensionisten“-Projekt, dem Downscaling dynamischer Phänomene im Südchinesischen Meer und deren Statistik, wurde ich mit mit einer ganzen Reihe von Möglichkeiten im Bereich „regionale Eddies und Upwelling“ bekannt gemacht. Meine Doktorandin Zhang Meng und ich werden in den kommenden Jahren gut zu tun haben!

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Älterer Hamburger Wissenschaftler mit zwei ehemaligen Doktoranden über dem Pearl River

Insgesamt darf man festhalten, dass die Möglichkeiten der Kooperation mit chinesischen Partnern, an Universitäten und Akademieinstituten aber auch Überwachungsbehörden, sehr gut sind. Das wissenschaftliche Niveau ist in den vergangenen 20 Jahren erheblich angestiegen; sehr viel Leitungspersonal ist zurückgeholt worden aus den USA und Europa. Das Institut für Küstenforschung der HZG ist in China gut aufgestellt.

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