Küstenforschung

Der Wert von Ökosystemdienstleistungen

oder: Ein Tag am Meer!

Ein Beitrag von Christian Fischer unter Mitarbeit von Berit Schütze
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Foto: HZG/Ina Frings

Ein Tag am Meer. Nach dem Aufstehen schaust du aus dem Fenster über die Dünen zum Meer. Vormittags wanderst du bei Wind und Sonne durch den Strandsand, mittags gibt es ein Fischbrötchen auf die Hand. Nachmittags springst du in die Fluten und genießt das kühle Nass.

Viele Dinge, die in dem Beispiel erlebt und genutzt wurden, sind direkte oder indirekte Ökosystemdienstleistungen. Dabei handelt es sich um Leistungen von Ökosystemen, von denen Menschen (direkt oder indirekt) profitieren. Diese Leistungen werden in vier Gruppen unterteilt:

  • Versorgungsleistungen wie Nahrung und Rohstoffe, z.B. Fisch, Holz, saubere Luft
  • regulierende Leistungen wie natürliche Wasserreinigung, Klimaregulation oder Erosionsschutz durch die Dünen
  • unterstützende Leistungen, z.B. Bodenbildung und Nährstoffkreisläufe
  • und kulturelle Leistungen, z.B. der schöne Anblick einer Landschaft

Die Studie „Naturkapital Deutschland (TEEB-DE)“ setzt sich mit dem Wert dieser Ökosystemdienstleistungen in Deutschland auseinander. An dem zweiten Bericht der Gesamtstudie zu „Ökosystemleistungen in ländlichen Räumen“ haben auch Dr. Andreas Kannen und Christian Fischer vom Institut für Küstenforschung mitgearbeitet.

Sie stellten fest, dass Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf ihre Umgebung haben. Einerseits stört der Baulärm in der Konstruktionsphase viele Säugetiere, wie z.B. Seehunde oder Schweinswale. Andererseits lassen die Fundamente der Offshore-Anlagen künstliche Riffe entstehen, die somit neuen Lebensraum bieten. Mit dem umweltfreundlich produzierten Strom können zurzeit über 300.000 Haushalte versorgt werden.

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Karte zu sämtlichen Nutzungen und Schutzgebieten (inkl. beantragter, genehmigter, im Bau befindlicher und gebauter Offshore-Windparks) (Quelle: BSH, 2013)

Mit der Meeresraumplanung gibt es ein Instrument, das den Ausbau der Offshore-Windenergie steuert. Dabei handelt es sich um die Planung, wann und wo menschliche Tätigkeiten auf See stattfinden. Denn es gibt mehr Nutzungen auf und im Meer, als allgemein angenommen wird, z.B. die erwähnte Windkraft, Schiffsverkehr, Fischerei, militärische Nutzung, Sand- und Kiesgewinnung sowie Kabel und Pipelines. Über 700 Offshore-Windenergieanlagen befinden sich noch im Bau oder im Genehmigungsverfahren.

Zukünftig werden noch mehr Windparks in Nord- und Ostsee entstehen und es bleibt abzuwarten, welche Effekte sie auf die Ökosystemleistungen des Meeres haben werden. In der Wissenschaft ist vor allem diese Wirkung vieler Windparks noch ein Forschungsfeld mit offenen Fragen.

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Foto: HZG/Ina Frings

Und der Tag am Meer? Geht natürlich mit dem Genießen des Sonnenuntergangs am Horizont zu Ende. 🙂

Bericht „Ökosystemdienstleistungen in ländlichen Räumen“

==> Kapitel 7: Ökosystemleistungen von Küsten und Meeren

==> Kapitel 10: Stand und Potenziale der Integration des Ökosystemleistungskonzeptes in bestehende Planungs-, Regelungs- und Anreizmechanismen

==> für weitere Informationen ist Christian Fischer der Ansprechpartner

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