Küstenforschung

Ein einsamer Vulkan im Nebel und der Wasserfall der Götter

Ein Kommentar

(posted by Dr. Marcus Reckermann, Leiter Internationales Baltic Earth Sekretariat)

Am ersten Seetag zwischen Spitzbergen und Island halte ich meinen schwierigsten Vortrag. Schwierig nicht nur wegen der komplizierten Materie, die ich versuche möglichst auch für Nichtwissenschaftler verständlich zu machen, sondern auch weil machmal hitzige Diskussionen zum aktuellen Klimawandel aufkommen. Ich beschreibe die Klimageschichte der Erde und zeige dann die wichtigsten Erkenntnisse aus dem letzten IPCC Bericht. Unter meinen jetzt wieder etwa 150 Zuhörern entspinnen sich keine kontroversen Debatten, nur ein Zuhörer kommt nach dem Vortrag zu mir und bedankt sich für den Vortrag, findet jedoch alles zu sehr überdramatisiert. Er äussert sich auch kritisch über gewisse Wissenschaftler, die sich seiner Meinung nach zu sehr in den Medien hervortun. Er nennt sogar Namen, da kennt sich jemand aus.

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Der Nordatlantik und die Grönlandsee verhalten sich eher zurückhaltend. Mehr als Windstärke 5 bis 6 Bft hatten wir bisher auf der gesamten Reise nicht, was zweifellos die überwiegende Mehrheit und das nautische Personal wohlwollend zur Kenntnis nimmt. Am zweiten Seetag passieren wir Jan Mayen, den einsamste Vulkan des Nordatlantiks. Der Kapitän fährt sogar wenige Seemeilen heran, aber der dichte Nebel gibt nur wenige Abschnitte der grandiosen Bergflanke frei. Jan Mayen wird von wenigen Norwegern bewohnt, die dort eine Wetterstation aufrechterhalten.

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Dann erreichen wir mit dem Hafen Akureyri endlich Island. Dass wir zurück in der Zivilisation sind, merken wir an der Geschäftigkeit der kleinen Stadt und ihrem typisch skandinavischen Erscheinungsbild. Ich mache einen Ausflug zu den beiden Attraktionen, die von Akureyri leicht zu erreichen sind: zum Seengebiet Myvatn und zum Godafoss, dem Wasserfall der Götter. Am Myvatn besteige ich den Gipfel des 140 m hohen Vulkankraters „Hverfjall“, der mit einem Durchmesser von 1 km Islands größter Krater ist, was mich einigermaßen überrascht. Aber offensichtlich haben die anderen, weitaus größeren und gefährlicheren Vulkane Islands nicht die typische Kegelform. Eine echte Mondlandschaft, und ich kann nachvollziehen dass die NASA hier in den 60er Jahren ihre Mondfahrzeuge getestet hat.

Bild 3

Am spektakulären Godafoss haben die Isländer um das Jahr 1000 ihre Götterfiguren „entsorgt“, nachdem sie dem Christentum beigetreten sind. In meinen Augen eigentlich ein Jammer.

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Auf die Auflösung des sogenannten Horizontproblems, das mir auf dieser Reise mehrfach schmerzlich vor Augen geführt wurde, möchte ich Sie, lieber Leser, ein weiteres Mal vertrösten. Dann berichte ich auch von Reykjavik und dem Südwesten Islands sowie von meinem Vortrag über die Erforschung der Arktis.

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  1. Da waren wir ja wohl zusammen auf der gleichen Reise. Mein Reisebericht ist bisher nur bis Honningsvaag fertig.

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