Küstenforschung

Seevögel in der östlichen deutschen Ostsee

Ein Kommentar

Eine Ausfahrt mit dem Forschungsschiff „Ludwig Prandtl“  (09.03. – 16.03.2015)

Dana Michaelis, Marco Maier, Stefan Weiel, Henning Volmer, Kai Borkenhagen

020415_01

Wir, fünf junge Wissenschaftler vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) der Universität Kiel, haben Mitte März eine achttägige Schiffsausfahrt mit dem Forschungsschiff „Ludwig Prandtl“ in der deutschen Ostsee gemacht. Dabei wurden nach der international standardisierten Seabirds at Sea-Methode (SAS) die Vögel und Meeressäuger im Bereich der Pommerschen Bucht und in den Gewässern um Rügen erfasst. Diese Methode liefert Informationen zum Verteilungsmuster und der Anzahl der einzelnen Arten. Auf dieser Ausfahrt ging es uns besonders um die Frühjahrsvorkommen von Seetauchern und Meeresenten. Diese Daten fließen in die EU-weiten Bewertungen seltener und bedrohter Tierarten ein.

020415_02

Ein kleiner Trupp fliegender Eisenten

 

020415_03

Die Karte zeigt die während der SAS-Zählung erfasste Strecke und die Orte der Greiferproben während unserer Schiffsausfahrt.

Da sich die Meeresenten, im Untersuchungsgebiet sind dies vor allem Eisenten, Trauerenten und Samtenten, von Muscheln ernähren, haben wir den Meeresboden mit einem Greifer beprobt. Daraus lassen sich später Aussagen über das Nahrungsangebot ableiten. Diese Daten können zusammen mit den Verteilungsdaten der Vögel in einem Computermodell untersucht werden und am Ende gelangt man von einer reinen Beschreibung zu einer Erklärung der beobachteten Verteilungsmuster. Auf Fotos von Eisenten und Samtenten kann man das Geschlechterverhältnis und den Jungvogelanteil auszählen. Diese Daten ermöglichen Aussagen zur Populationsstruktur und können als Warnsystem für Veränderungen dienen.

020415_04

Ein Trupp fliegender Eisenten

 

Beprobung des Meeresbodens mit einem Van-Veen-Greifer und Aufbereitung der gewonnenen Bodenprobe. Das Sediment wird gespült und alle lebenden Muscheln werden für die Analyse im Labor aussortiert.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Eisenten, Trauerenten und Samtenten sind bei uns nur Überwinterungsgäste, sie brüten in weiter nördlich gelegenen Gebieten, zum Beispiel in Skandinavien und Sibirien. Eisenten kamen im Untersuchungsgebiet in großer Zahl auf dem Adlergrund, im Nordwesten der Oderbank, zwischen Greifswalder Oie und Peenemünde, im Greifswalder Bodden und regelmäßig auch im Bereich Plantagenetgrund und nördlich von Darß/Zingst/Fischland vor. Trauerenten hielten sich im Nordwesten der Oderbank, zwischen Greifswalder Oie und Peenemünde und in sehr großer Anzahl im Bereich Plantagenetgrund und nördlich von Darß/Zingst/Fischland auf. Auch im Greifswalder Bodden konnten wir regelmäßig Trauerenten beobachten. Samtenten kamen hauptsächlich im Nordwesten der Oderbank und zwischen Greifswalder Oie und Peenemünde vor. Auch im Bereich Plantagenetgrund und nördlich von Darß/Zingst/Fischland haben wir regelmäßig Samtenten gesehen. In den Greiferproben fanden wir Miesmuscheln, Herzmuscheln, Klaffmuscheln und Baltische Plattmuscheln.

Seetaucher haben wir im gesamten Untersuchungsgebiet immer wieder beobachtet. Wie zu erwarten waren Prachttaucher und Sterntaucher die beiden häufigsten Arten. Als Besonderheit haben wir drei der seltenen Gelbschnabeltaucher gesehen.

020415_11

Ein Sterntaucher wurde durch das nahende Schiff aufgeschreckt.

 

In allen Teilen des Untersuchungsgebietes mit tiefem Wasser haben wir immer wieder kleinere Gruppen von Tordalken und einige Trottellummen registriert. Nördlich der Greiswalder Oie befand sich eine bemerkenswert große Ansammlung aus hunderten von Trodalken und Trottellummen. Außerdem gab es im gesamten Untersuchungsgebiet immer wieder einzelne Gryllteisten.

Auch einige Ohrentaucher überwintern in der deutschen Ostsee. Diese wunderschönen Lappentaucher haben wir besonders im Bereich der Oderbank und der Greifswalder Oie beobachtet.

Typisch für das Frühjahr ist die große Zahl von Heringen, die den Greifswalder Bodden zum Laichen aufsuchen. Dies bleibt natürlich auch den Fischfressern nicht verborgen. Am 14.03. haben wir im Greifswalder Bodden etwa ein dutzend Kegelrobben gesehen. Einige Fressgemeinschaften aus Kormoranen, Silbermöwen und Mantelmöwen zeigten die Position von Heringsschwärmen an. Für Eisenten und andere Wasservögel ist der Heringslaich eine willkommene Ergänzung des Speiseplans. Die allgegenwärtigen Stellnetze sind allerdings eine große Gefahr für alle tauchenden Vogel- und Säugetierarten.

020415_12

Eine Kegelrobbe nutzt das reiche Angebot an Heringen im Greifswalder Bodden.

 

020415_13

Eine Fressgemeinschaft aus Kormoranen, Silbermöwen und Mantelmöwen ist auf der Jagd nach laichenden Heringen.

Natürlich wäre eine solche Ausfahrt ohne die Hilfe und Mitarbeit der Schiffsbesatzung vollkommen unmöglich. Daher möchten wir uns an dieser Stelle sehr herzlich bei Helmut Bornhöft und Rico Byhan bedanken!

Wer sich darüber hinaus für die Ergebnisse des SAS-Monitorings interessiert findet weitere Informationen auf den Internetseiten des FTZ  oder den Internetseiten des Bundesamtes für Naturschutz.

(Dieser Artikel mit Fotos wurde verfasst von Kai Borkenhagen, FTZ)

Ein Kommentar zu “Seevögel in der östlichen deutschen Ostsee

  1. Pingback: Wellen, Wind und kalte Finger | Küstenforschung