Küstenforschung

Qingdao: Ozean Universität, II, Plastiktüten und Siemens, von Prof. Hans von Storch

Ein Kommentar

Hier nun mein dritter Bericht: Wir sind jetzt schon seit mehr als 14 Tagen in Qingdao, und haben uns inzwischen eingelebt. Bankkonto eingerichtet, Internet-Zugang in der Uni geregelt, Weg und Nutzung der Mensen (gibt viele) geklärt. Die Sorge, dass die Heizung per 15. März zentral ausgeschaltet würde, war unbegründet – das geschieht wohl am 1. April. Wie es heißt überall nördlich des Jangtse; südlich davon wird ohnehin in staatlichen Gebäuden nicht geheizt. Mail mit einer zg.de Adresse erreichen die Kollegen bei HZG nur ab und an, selbst bei der Verwendung von vpn.

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Die Universität ist riesig, zehntausende von Studenten, die überwiegend auf dem Uni-Gelände wohnen. Das Bild zeigt den Haupteingang des neuen LaoShan-Campus, wo auch das College of Physical and Environmental Oceanography liegt, unser Gastgeber. Dort gibt es sogar eine Kaffeemaschine, deren Wirken ich nur sehr begrüßen kann, wenngleich sie nur selten zur besagten Wirkung kommt.

Wir, das sind VON STORCH Hans und Jin-Song, ZHANG Meng, LI Delei und FENG Jianlong. Sozusagen eine HZG-Abteilung an der OUC, mit einer wissenschaftlichen Beirätin aus dem MPI. Das Foto zeigt die Würde und das Potential.

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Was wir hier machen: Vor allem die laufenden Arbeiten der Doktoranden fortführen und abschließen, zur Rekonstruktion von hochauflösenden Windfeldern für 1990-2013 mit CCLM durch Delei, die Be- und Auswertung einer langen Rekonstruktion von Sturmfluten in der Bohai und im Gelbem Meer durch Jianlong, und die Vorbereitung des neues Thema „Downscaling im Ozean“, dessen Meng sich annehmen wird. All dies zusammen mit chinesischen Wissenschaftlern hier vor Ort.

Dazu kommt dann eine fünfteilige Vorlesung „Advanced conceptual issues in climate and coastal science“, die aktuelle Themen einer regional fokussierten, gesellschaftlich nützlichen Küstenforschung aufgreift. Die erste Vorlesung „Utility of coastal sciene, with emphasis on climate issues“ ist mit guter Beteiligung gelaufen – sie ist hier verfügbar, wo auch die Folgevorlesungen zum Klimaservice, zu Detection und Attribution, Downscaling und Statistik erscheinen werden. Zum Programm gehört auch der Besuch benachbarter Einrichtungen, in Beijing, Shanghai, Tsinan und Yantai und der Versuch, mehr chinesische Wissenschaftler in das Projekt der Oxford University Press Encyclopedia on Climate Change zu integrieren.

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Schon bald nach meinen Eintritt in damals GKSS im Jahr 1996 wurde mir klar, dass man Küste als gesellschaftlich genutzten Raum sehen muss, über dessen Nutzung es oft gesellschaftliche Konflikte gibt. Eine Nutzung des Küstenmeeres ist die des Mülleimers nicht nur des Küstenlandes sondern auch des Hinterlandes. Diese Nutzung ist bei uns in Deutschland sehr viel weniger geworden, aber wie steht es darum mit China? Ein Kollege fragte mich jetzt: „Gibt es eigentlich Plastiktüten in chinesischen Supermärkten? Ist die Bucht damit verschmutzt?“. Gute Fragen. Ja, es gibt in chinesischen Einzelhandelsgeschäften Plastiktüten auf Wunsch und ohne Mehrkosten. Aber sie finden sich nicht in großen Mengen in der Umwelt, jedenfalls nicht in der städtischen Umwelt von Qingdao. Die schönen Badestrände in Qingdao sind frei von Müll. Man könnte sagen, jaaaa, da wird sauber gemacht. Könnte sein, schließlich werden auch die Straßen und Straßenränder in Ordnung gehalten.

Es gibt noch andere Küstenabschnitte in der Stadt, wie jener auf dem Foto. Wir sehen eine Ebbesituation am Wochenende mit vielen Menschen, die sich hinausbegeben, um dort Pflanzen und Tiere zu suchen – um sie in interessanten Gerichten zu verarbeiten. Wir sehen auf dem Foto viele Menschen, aber keinen Müll, keine Plastiktüten!

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Aber wie sieht es sonst an der Küste aus. Die Küste ist lang, ob messbar lang sei dahin gestellt, aber praktisch unübersehbar lang – und ich habe auf der Reise bisher nur einen anderen Küstenabschnitt gesehen – den bei dem Chemiekomplex bei Shanghai an der HanZhou Bay, mit dem beeindruckenden betonbewehrten Deich (Foto). Auch hier nur wenig Treibsel, darunter auch ein bisschen Plastik – wohl vergleichbar mit deutschen Deichen außerhalb der Touristenorte.

Also, kaum Plastiktüten zu sehen; insgesamt ist es in Qingdao ziemlich bis sehr sauber. Vor 20 Jahren, bei meinem ersten Besuch in Qingdao war das sicher noch sehr anders, aber da gab es kaum Plastiktüten in Geschäften.

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Daneben gilt es natürlich weiter, die Stadt kennen zu lernen, wobei wir uns vor allem auf die Altstadt konzentrieren, also jenen Teil, der sich fußläufig erschließt. Wir haben bemerkt, dass wir sehr nahe am Wasser wohnen, und tatsächlich ist das Tuten von Schiffstyphoonen normales Hintergrundgeräusch. Die Glocken hört man seltener, aber doch am Sonntag. Einige der alten europäischen Häuser sind schön in Schuss, so etwa die ehemalige Pension Luther (Foto) querab vom alten Verwaltungsgebäude der damaligen Kolonie. Oder der Internationale Club an der ZhongShan Lu 1 (ehemals Deutscher Seeoffiziersclub; hier kam es schon vor, dass Leute sich dem Wein hingaben) oder das Cafe Roland am Badestrand #3.

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Zum Schluss noch der Sprachunterricht. Beim Busfahren zum Institut kommt man an einem Haus vorbei, wo „Siemens“ dran steht – dazu auch noch 西门子. Der Berichterstatter erkennt das erste Zeichen als West, das zweite als Tor – Siemens als „Westtor“? Nix, 西 spricht man als Schi, oder so, 门 als Men, zusammen also, nach kleineren Kompromissen: Siemen. Aha. Aha? Wo ist das „s“? – das fehlt, also 子 (Zi) hinzusetzen, aber wofür 子 steht, habe ich bisher nicht herausbekommen. Man verweist auf Teller, Becher, den Vornamen des verstorbenen Vorsitzenden Dong, die alle das Zeichen enthalten – das Wort sei signifikant, aber habe keine spezifizierte Bedeutung, die man mir erklären könne. Aber西门子 stehe für Siemens.

Qingdao, 23. März 2015 (posted by Prof Dr. Hans von Storch)

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