Küstenforschung

Aufgeschoben oder aufgehoben?

Interview mit der Fahrtleiterin Dr. Tina Sanders

Ihr habt eure Messkampagne vorzeitig wegen schlechter Wetterverhältnisse abbrechen müssen. Welche Auswirkungen hat das auf die gesamte Kampagne?

Die Auswirkungen sind, dass wir nur ca. 40 % der gewünschten Proben nehmen konnten, wir wollten vor allem die beiden Ästuare der Ems in Deutschland und der Schelde in den Niederlanden beproben. Die Ems haben wir geschafft, in das Gebiet der Schelde bzw. des Rheins sind wir nicht gekommen. Damit ist das Ziel, den Einfluss dieser beiden Ästuare auf die Küstengewässer zu vergleichen, nicht erfüllt worden.

Wer hat die Entscheidung zum Abbruch getroffen, du als Fahrtleiterin oder der Kapitän der Ludwig Prandtl?

Die wissenschaftliche Fahrtleitung und der Kapitän der „Ludwig Prandtl“ müssen gut zusammenarbeiten, wir haben gemeinsam die Wettervorhersagen beobachtet und beschlossen, dass wir nicht wie geplant in den Hafen von Terschelling einlaufen, sondern weiter nach Harlingen ans Festland fahren. Die „Ludwig Prandtl“ kann meist noch bei Bedingungen fahren, bei denen wir WissenschaftlerInnen schon die Arbeit einstellen müssen, da wir z. B. mit dem Kastengreifer keine Proben mehr nehmen können. Wir wollen ja auch nicht, dass alle WissenschaftlerInnen seekrank werden. Der Fahrtplan hätte ein bis zwei Tage Pause verkraften können, aber das schlechte Wetter mit starkem Wind sollte sich ja letztendlich durchsetzen, so dass ich als Fahrtleitung entschieden habe, dass wir nicht weiter fahren sollten, sondern den geplanten Transekt von Harlingen zurück nach Hamburg fahren sollten. Auf diesem Abschnitt sollten in erster Linie Wasserproben genommen werden, die auf Nährstoffgehalt und die natürlichen Isotope in Stickstoffverbindungen untersucht werden sollen.

Was umfasst die Funktion Fahrtleiter/in einer Messkampagne?

Grundsätzlich ist die Fahrtleitung für die wissenschaftliche Ausrichtung einer Fahrt verantwortlich. Dazu gehört, sich im Vorfeld zu überlegen, welche Fragestellungen wollen wir beantworten, wo wollen wir hinfahren, welche Proben wollen wir wo nehmen. Dazu wollte es eine offene Diskussion mit den Mitfahrenden geben. Meist werden die Ausfahrten mit der „Ludwig Prandtl“ nur von einer Abteilung durchgeführt. Ich sehe da auf Perspektive aber Möglichkeiten, viel mehr abteilungsübergreifende Ausfahrten zu machen.

Auf dem Schiff muss die Fahrtleitung mit dem Kapitän der „Ludwig Prandtl“ Kontakt halten und entscheidet aber letztendlich, wo es lang geht und wo die Proben genommen werden. Ich verlasse mich aber gerne auf die Meinung der beiden Kapitäne der  „Ludwig Prandtl“, was geht und was nicht.

Wie hast du vorher die Messpunkte für die Probennahme ausgewählt?

Die Messpunkte haben wir anhand unserer Fragestellungen ausgewählt, also welche Proben sind wo notwendig, um wissenschaftliche Fragen zu beantworten. Zusätzlich habe wir uns an Probennahmen orientiert, die bereits durchgeführt worden sind, um dann die Ergebnisse vergleichen zu können.

Wird es eine Fortsetzung dieser Messkampagne geben? Oder könnt ihr anderweitig an die Proben kommen?

Zur Zeit sieht es nicht danach aus. Für dieses Jahr haben wir keine Schiffszeit mehr. Wir gehen ja auch auf den Herbst zu, da wird das Wetter eher unbeständiger als es jetzt eh schon ist. Eventuell können wir die Fahrt im nächsten Jahr nochmal ansetzen, dann muss aber mehr Zeit eingeplant werden, damit uns das Wetter nicht wieder alle Planungen durcheinander wehen kann.

 

Herzlichen Dank, Tina, für den interessanten Fahrtbericht, die Fotos und das Interview.

140814

Dr. Tina Sanders, Wissenschaftlerin im Bereich „Isotope“

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