Küstenforschung

Wir haben

den Dollart verlassen und sind Richtung Osten unterwegs. Nach der gestrigen Überfahrt nach Lauwersoog war heute der Fahrtabschnitt nach Terschelling dran. Auf Grund der sich verschlechternden Wetterlage sind wir ans Festland ausgewichen und haben im Hafen von Harlingen festgemacht. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage sieht schlecht aus. Morgen früh werden wir erneut die Wetterlage checken und die nächsten Schritte überlegen. Wir hoffen die Fahrt weiterführen zu können, um an das Probenmaterial zu kommen, welches nötig ist, um die Fragestellungen der weiteren Fahrtabschnitte zu bearbeiten. Ein Fokus bei dem Transekt vom Dollart zum Rhein liegt auf der Analytik der Organophosphor-Flammschutzmitteln.

Organophosphor-Flammschutzmittel (OPFRs) rücken seit einigen Jahren immer weiter in den Fokus der Öffentlichkeit. Durch die zunehmende Verwendung von OPFRs, insbesondere als Ersatzstoffe für die weltweit regulierten und verbannten bromierten Flammschutzmittel wie die polybromierten Diphenylether (PBDE), gelangen OPFRs in einem hohen Maße in die Umwelt.

OPFRs wurden bereits in hohen Konzentrationen in Innenraumluft und Gewässern nachgewiesen, ihre krebserregenden und giftigen Wirkungen gelten als erwiesen. Daher wird in Fachkreisen darüber diskutiert, sie als neuartige Problemstoffe einzustufen und stärker zu regulieren. Wichtige Kriterien um stärkere Regulierung oder sogar Verbote durchzusetzen sind die so genannten PBT Eigenschaften einer Chemikalie; d.h. die Persistenz (Langlebigkeit in der Umwelt), das Bioakkumulationspotential (Anreicherung in Lebewesen) und die Toxizität (Giftigkeit). Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Potential eines Stoffes über weite Strecken transportiert zu werden und damit in Regionen zu gelangen, die fern der produktions- oder Anwendungsgebiete sind. Die Datenlage hinsichtlich dieser wichtigen Kriterien ist für OPFRs zum heutigen Standpunkt unzureichend. Daten zum Vorkommen und Verhalten in der marinen Umwelt sind nur sehr begrenzt verfügbar. Studien, die die Persistenz und die Transportmechanismen in Bezug auf Ferntransport untersuchen, fehlen.

Auf der Kampagne werden Wasser und Sedimentproben genommen, die später im Labor auf OPFRs untersucht werden, um Informationen zu ihrer Relevanz als Schadstoffe zu erhalten. Eine wichtige Fragestellung, die mit dieser Messreihe besser geklärt werden soll, sind mögliche Quellen und Eintragswege in die Nordsee; insbesondere die Rolle des Rheins für die Belastung der Deutschen Bucht. Frühere Studien haben gezeigt, dass durch den Rhein große Mengen an OPFRs (ca. 25 t pro Jahr) in die Nordsee gelangen. Aufgrund der Strömungen in der Nordsee wird vermutet, dass diese Schadstofffracht entlang der Niederländischen Küste in die Deutsche Bucht gelangen kann. Aufgrund der Verteilungsmuster soll analysiert werden, ob OPFRs aus dem Rhein langlebig genug sind, bis in die Nordsee transportiert zu werden, es zu einem Abbau kommt oder die Schadstoffe mit dem Schwebstoff sedimentieren.

(posted by Dr. Tina Sanders)

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